Auf Ursus ist Olivier Grossenbacher aus Dürrenroth im Kanton Bern mächtig stolz. Der dreijährige Rammler ist ein Belgischer Riese und wiegt gut acht Kilogramm. Letztes Jahr wurde Ursus an der Schweizer Clubausstellung der Belgischen Riesen zum schönsten Rammler gewählt – für Grossenbacher die höchste Auszeichnung, die ein Kaninchenzüchter erhalten kann.
Schon als Bub züchtete der 50-jährige Schulleiter Rassekaninchen. «Ich war etwa neun, im Alter von Anna-Sofiia, als ich durch einen Nachbarn zur Kaninchenzucht kam.» Grossenbacher lächelt der Nichte seiner Frau zu und erzählt weiter: «Damals gab es noch in fast jedem Dorf einen Kaninchenzüchterverein. Es war selbstverständlich, im Verein mitzumachen und von älteren Züchtern zu lernen.» Das sei heute anders. Die Vereine leiden unter Nachwuchsproblemen. «Deshalb freut es mich umso mehr, dass sich Anna-Sofiia für die Kaninchen begeistert. Ich habe das Gefühl, ich gebe ein kulturelles Erbe weiter, wenn ich meine Passion für Rassekaninchen mit ihr teile.»
Belgische Riesen gefielen Olivier Grossenbacher schon immer. Nicht nur ihr Aussehen spricht ihn an, sie hätten, sagt er, auch einen sehr gutmütigen Charakter. Seit 2017 züchtet er die Rasse – seit er genug Platz hat: «Im Sommer konnten meine Frau Oksana und ich mein Elternhaus hier in Dürrenroth übernehmen, im Dezember kaufte ich bereits die ersten Tiere.»
Ein- bis zweimal im Jahr lässt er die Weibchen, Zibben genannt, Junge haben. Dann hoppeln fünfzig und mehr kleine Kaninchen durch die Ställe. Eine schöne, manchmal aber auch sorgenvolle Zeit. So hat Olivier Grossenbacher 2021, in dem Jahr, als Ursus auf die Welt kam, fast die Hälfte der Jungtiere verloren: «Bis heute weiss ich nicht, woran sie gestorben sind.»
Ursus überlebte. «Er stach mir früh ins Auge, war grösser und kräftiger als alle andern.» Und er wuchs zum schönsten Chüngel heran, den Grossenbacher je hatte: «Ursus darf bei mir alt werden.»
Olivier Grossenbacher investiert viel Zeit und Energie, damit es seinen Kaninchen gut geht. Letztlich aber sind und bleiben sie für ihn Nutztiere. «Ich finde es falsch, sie zu vermenschlichen.» Viele kann er dank seiner Website bigcreekfarm.ch verkaufen: «Als ich die Site einrichtete, war ich überrascht, wie gefragt Belgische Riesen sind. Ich bekomme Anfragen aus der ganzen Schweiz.» Manche Tiere metzget er. «Wir nutzen alles, nicht nur das Fleisch, auch die Felle und die Knochen. Das», sagt er, «gehört für uns dazu und zeigt vor allem, wie sehr wir das Tier und das, was es uns schenkt, achten.»
«Es freut mich, dass sich Anna-Sofiia für die Kaninchen begeistert.
Ich habe das Gefühl, ich gebe ein kulturelles Erbe weiter.»

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